näher als erwartet von Denise Zöllner

Ein poetisches Fotobuch

Das Fotobuch “näher als erwartet” von Denise hat einen besonderen Platz in unserem Regal. Wir haben uns sehr gefreut, dass sie den Mut hatte, ihre poetischen Fotos vom digitalen Archiv aufs Papier zu bringen.

Denise hat schon an einigen unserer Workshops und Retreats teilgenommen. Zu sehen, dass einige der Fotos, die dort entstanden sind, in ihr Buch gefunden haben, war eine besondere Freude.

Wir haben Denise ein paar Fragen darüber gestellt, wie ihr erstes Buch entstanden ist.

Was ist das Thema deines ersten Buches?

Das Thema beziehungsweise der Titel stand am Anfang gar nicht fest.
Der Titel hat sich für mich erst im Laufe der Gestaltung herauskristallisiert. Ich glaube, wenn man sofort ein Thema auswählt für ein Buch, welches man aus dem Bild-Archiv machen möchte, bindet man sich eventuell zu sehr an diese Wörter und bleibt nicht frei genug.

Was kann es besseres geben, als den Titel dann nach den Bildern auszuwählen?

Somit passt es einfach perfekt. Die Worte selbst sind mir einfach irgendwann eingefallen - in der Badewanne, bei der Gartenarbeit... - auf jeden Fall in einem Moment, wenn ich nicht viel über andere Sachen nachzudenken brauche. Das Spiel mit Wörtern liebe ich ja sowieso. So sind auch die kleinen Gedichte entstanden, nachdem das Buch stand.

Der rote Faden ist einfach meine Bildsprache.

Es gibt kein Thema an sich, da die Bilder nichts dokumentieren, nicht den Finger in die Wunde eines gesellschaftlichen Missstandes legen und auch sonst kein Konzept dahinter steht.

Wenn man wirklich nach einem roten Faden suchen möchte, welcher sich durch ein Thema ausdrückt, wird man diesen wohl nicht finden. Wenn doch, bin ich ganz Ohr :-)

Wie bist du auf die Bildideen gekommen?

Natürlich sind auch Bilder dabei, zu denen das Wort zuerst im Kopf war (wie bei eurer Sommerchallenge).

Aber es gibt überwiegend Bilder, die spontan und ohne Planung entstanden sind, weil ich in dem Moment etwas gesehen habe und nicht weil ich etwas bebildern wollte. Meine Güte, wie soll man das beschreiben?

Zum Beispiel dieser Steinhaufen im Winter. Ich war einfach spazieren, es war richtig kalt, meine Hände schon steif aber das Abendlicht tauchte die Steine in ein warmes Licht im Gegensatz zu den kalten Farben des Winters, das war mir ein Foto wert. 

Oder der Schatten auf dem Hotelbett - ich habe gewartet, dass ich ins Badezimmer gehen kann, sitze da und sehe das einfach.

Oder die Eiswürfel - ich wollte nur mal probieren, wie sich Blüten einfrieren lassen. War nicht, was ich erwartet hatte, hab es trotzdem fotografiert. Vielleicht ist es das, was in eurem Kurs Spüre die Energie mit halte den Kanal offen gemeint ist?! – (Anmerkung: ja, ist es!)

Jedenfalls stelle ich mir das darunter vor. Und ich schleppe meine Kamera wirklich ausnahmslos überall mit hin (sogar schon einmal ins Büro).

Manchmal verpasse ich Gelegenheiten, weil ich nicht mit dem Auto anhalten kann oder das Licht später anders aussieht, wenn ich doch anhalten kann. Das schmerzt dann richtig. Ich will damit sagen, vielleicht bin ich diesbezüglich auch ein bisschen besessen – oder nennen wir es leidenschaftlich (leiden müssen aber auch die anderen, zum Beispiel mein Mann, der immer auf mich warten muss).

Und meine Tochter hat am Wochenende so schön gesagt: Mama, seitdem du "hässliche" Dinge fotografierst, findest du viel mehr Motive. Das lasse ich mal so als Schlusswort stehen.

Wie war dein Editionsprozess?

Puh, das ist tatsächlich schwer. Wie beschreibt man etwas als geschriebenes Wort, wenn der Prozess eher intuitiv stattgefunden hat (zum Beispiel der Auswahlprozess der Bilder aus dem Bild-Archiv).

Starke Bilder auszuwählen aus einem Archiv oder auch, wenn andere auf mich zukommen und sagen: Ich habe hier 300 Fotos und weiß nicht, welche die stärksten sind, kannst du mich unterstützen? Das fällt mir nicht schwer, unter anderem durch die Arbeit an den Hochzeitsreportagen, bei denen ich manchmal aus vierstelligen Bildanzahlen auswählen muss, viel Fleißarbeit beim Thema Bildgestaltung, -analyse oder auch Posing von Menschen, habe ich einen sicheren Blick dafür entwickelt.

Ich kann auf jeden Fall sagen: Je vielfältiger das Material, was zur Auswahl steht, desto einfacher lässt sich daraus etwas entwickeln. Das gilt aber auch nicht für jedes Material. Ich spreche hier immer für meine Bilder.

Natürlich kann man die Sequenzierung/den Edit auch selbst machen. Aber eventuell lohnt es sich, sich professionelle Hilfe ins Boot zu holen. Dazu sollte man sich verschiedene Editoren ansehen und deren Arbeiten vergleichen. Menschlich muss es natürlich auch passen.

Wolfgang Zurborn kannte ich schon von einem Fotobuchworkshop und mir gefällt seine Art des Editierens und wie er Bilder sieht und liest. Er genießt in der Szene da auch ein großes Ansehen und hat schon unzählige Bücher editiert. Wichtig ist, dass der Editor sich mit dem Material des Fotografen oder der Fotografin identifizieren kann und nicht anfängt, es zu kritisieren (natürlich darf er sagen, das Foto ist nicht stark genug, das fällt raus – das ist ja Teil seiner Arbeit).

Wo hast du das Buch drucken lassen?

Der Vorschlag für die Druckerei (buch.one) kam von Wolfgang Zurborn.

Ich denke, diese Druckerei bietet perfekte Bedingungen für kleine Auflagen (auf jeden Fall viel günstiger als Blurb oder so). Fünf Stück sind Mindestbestellanzahl, preislich interessant wird es allerdings erst ab 20 bis 25 Stück.

Für die Auswahl des Papiers empfehle ich auf jeden Fall, ein Papiermusterbuch zu bestellen. An diesen paar Euro sollte man nicht sparen. Wenn man das Papier anfassen kann und die Oberfläche, Weißgrad, Dicke etc. erfühlen kann und eine Vorstellung davon bekommt, wie stark zum Beispiel Farben geschluckt werden oder die Brillanz vom Papier unterstützt wird, findet man das richtige Papier für das eigene Projekt.


Ich denke, dass verschiedene Bilder unterschiedliches Papier verlangen – von Kaltweiß und Hochglanz bis gelblich und fast schon sandpapierartiger Oberfläche. Die Kosten bestimmen sich natürlich durch die Größe, Seitenanzahl, Umschlag, Bindung und Papiersorte - und die Anzahl der bestellten Bücher.

Warum hast du dich für eine Auflage von 30 Exemplaren entschieden?

Da kann einem leider keiner helfen oder einen universellen Rat geben. Ich denke auch nicht, dass es etwas bringt, vorher eine Umfrage zu machen. Viele äußern sich sehr begeistert und kaufen dann nicht, andere sind nur stille Follower und bestellen sofort. Ich bin ja eher der Typ auf Nummer sicher gehen, bevor ich da 100 Bücher herumliegen habe und habe mich dafür entschieden, im Falle des Falles lieber nochmal nachzubestellen (natürlich geht der Mindestbestell-Rabatt dann wieder von vorne los...). Aber mehr Bücher zu bestellen, die man nicht losbekommt, ist eben ein größeres finanzielles Risiko.

War es ein logischer Schritt, nach Jahren als Fotografin dein erstes Buch herauszugeben?

Hmm, was ist schon logisch – ich hatte einfach Lust darauf und habe natürlich auch die finanziellen Ressourcen, so ein Unterfangen als eine Art Selbstverwirklichungsprojekt zu betreiben. Gewinn mache ich mit dem Verkauf nicht, da ich die Editor-Kosten nicht mit eingerechnet habe. Dann würde das Buch keiner mehr kaufen wollen.

Ich sehe es einfach als Möglichkeit, außerhalb von Social Media meine Bilder unter die Menschen zu bringen und sie zugänglich zu machen. Vielleicht ist es auch ein Schritt in die Richtung, als Künstlerin ernster genommen zu werden?! Das wird sich zeigen.

Was würdest du jemandem raten, der sein erstes Buch herausgeben will?

ANFANGEN! Den festen Entschluss fassen und daran arbeiten. Der Rest ergibt sich nach und nach, wenn man sich damit beschäftigt. Und: Nicht davor zurückschrecken, einen Profi zu engagieren. Viele namhafte Fotografinnen und Fotografen machen ihre Bücher nicht selbst. Es sind Fotograf:innen, nicht unbedingt Kurator:innen, Grafiker:innen oder Buchbinder:innen. Da gibt es sicher viele Ansatzmöglichkeiten, je nachdem was man plant und vorhat.

Auf jeden Fall bin ich sehr stolz, dieses Buch nun in den Händen zu halten und auch darauf, dass viele Sequenzen im Buch tatsächlich auch aus meiner Feder stammen und von Wolfgang für gut befunden wurden. Das hat mich darin bestärkt, meinen Fähigkeiten zu vertrauen und meine Arbeit selbstbewusster zu vertreten.

näher als erwartet


18x24 cm Klappenbroschur mit offener Bindung
140 Seiten, 96 Fotos
mit 2 Gedichten im Haiku-Stil, die Denise eigens für das Buch ersonnen hat.

Edition und Sequenzierung: Wolfgang Zurborn und Denise Zöllner

Kontakt: denise@naturbunt-fotografie.de

 

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